Eheseminar vor der Hochzeit: Was euch dort wirklich erwartet

Ein Brautpaar, das gerade sein Eheseminar abgeschlossen hat, kniet gemeinsam vor einem reich verzierten Kirchenaltar, der mit Kerzen und Blumen geschmückt ist, und wendet der Kamera den Rücken zu.

Location auswählen, Gästeliste erstellen, Einladungen verschicken, Hochzeitskleid und Anzug finden, Dienstleister buchen – während der Hochzeitsplanung gibt es einiges zu organisieren. Wenn ihr euch für eine kirchliche Trauung entscheidet, taucht auf der To-do-Liste möglicherweise noch ein weiterer Punkt auf: das Eheseminar oder Ehevorbereitungsseminar.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Was genau macht man bei einem Eheseminar? Sitzen wir dort einen ganzen Tag und hören Vorträge über die Ehe? Müssen wir über unsere Beziehung vor fremden Menschen sprechen? Und vor allem: Brauchen wir das für unsere kirchliche Hochzeit überhaupt?

Keine Sorge: Ein Eheseminar ist weder eine Prüfung eurer Beziehung noch ein Test, den ihr vor der Hochzeit bestehen müsst. Vielmehr soll es euch die Gelegenheit geben, euch zwischen all den organisatorischen Aufgaben der Hochzeitsplanung einmal ganz bewusst mit etwas anderem zu beschäftigen: euch selbst und eurer gemeinsamen Zukunft als Ehepaar.

Wir erklären euch, was euch bei einem Eheseminar in Österreich erwartet und warum der vermeintliche Pflichttermin durchaus eine interessante Erfahrung sein kann.

Ein Brautpaar sitzt eng aneinander geschmiegt auf einer Bank und schaut sich nach der Teilnahme an einem Eheseminar tief in die Augen. Die Braut hält einen Blumenstrauß in der Hand und trägt ein weißes Kleid sowie einen Schleier, während der Bräutigam ihr sanft über das Gesicht streicht. Im Hintergrund sind grüne Blätter zu sehen.

Was ist ein Eheseminar überhaupt?

Das Eheseminar ist ein Teil der Vorbereitung auf die kirchliche Eheschließung. Häufig wird dafür auch der Begriff Ehevorbereitungsseminar verwendet.

Während sich bei der Hochzeitsplanung naturgemäß vieles um den Hochzeitstag dreht, geht es bei der Ehevorbereitung bewusst um die Zeit danach.

Denn eure Hochzeit dauert vielleicht einen Tag – eure Ehe soll euch im besten Fall ein Leben lang begleiten.

Das Seminar bietet euch deshalb die Möglichkeit, euch gemeinsam mit eurer Beziehung, euren Vorstellungen von Ehe und eurer gemeinsamen Zukunft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erfahrt ihr mehr über die Bedeutung der kirchlichen Eheschließung und darüber, was es bedeutet, einander das Eheversprechen zu geben.

Je nach Seminar und Veranstalter können die konkrete Gestaltung und die Schwerpunkte unterschiedlich sein.

Müssen wir ein Eheseminar besuchen?

Wenn ihr in Österreich katholisch heiraten möchtet, gehört die Ehevorbereitung grundsätzlich zur Vorbereitung auf die kirchliche Trauung.

Dabei solltet ihr allerdings zwischen dem Eheseminar und anderen Bestandteilen der Vorbereitung unterscheiden. Zusätzlich gibt es beispielsweise Gespräche mit dem Pfarrer beziehungsweise dem Priester, bei denen unter anderem die Voraussetzungen für die Eheschließung geklärt und das sogenannte Trauungsprotokoll aufgenommen wird.

Wie die Vorbereitung in eurem konkreten Fall abläuft, besprecht ihr am besten frühzeitig mit jener Pfarre, über die eure kirchliche Trauung organisiert wird.

Das ist besonders dann wichtig, wenn eure Situation etwas von der klassischen Konstellation abweicht – etwa wenn eine Person einer anderen Konfession angehört oder nicht getauft ist.

Was passiert bei einem Eheseminar?

Wer bei dem Wort „Seminar“ sofort an Schule, Weiterbildung oder stundenlange Vorträge denkt, kann beruhigt sein.

Moderne Ehevorbereitungsseminare sind in der Regel darauf ausgelegt, euch als Paar aktiv einzubeziehen. Neben Informationen und Impulsen gibt es beispielsweise Gespräche zu zweit, Übungen oder den Austausch mit anderen Paaren.

Dabei können ganz unterschiedliche Fragen eine Rolle spielen:

Wie stellen wir uns unser gemeinsames Leben vor? Was bedeutet Ehe für uns persönlich? Wie gehen wir miteinander um, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind? Welche Erwartungen haben wir aneinander? Welche Rolle spielen Familie, Kinder, Beruf oder gemeinsame Werte? Und welche Bedeutung hat der Glaube für unsere Ehe?

Natürlich beschäftigt ihr euch auch mit der kirchlichen Dimension der Ehe.

In der katholischen Kirche ist die Ehe ein Sakrament. Deshalb geht es bei der Vorbereitung auch darum, was das Eheversprechen aus kirchlicher Sicht bedeutet und welche Entscheidung ihr bei der Trauung eigentlich trefft.

Ein Eheseminar ist damit eine Mischung aus Beziehungsthemen, persönlicher Reflexion und Vorbereitung auf die kirchliche Ehe.

Weiße Kerzen und Blumen schmücken den Kirchengang, auf dem unscharf abgebildete Gäste – vielleicht gerade erst durch ihr Eheseminar inspiriert – sitzen, während im Hintergrund am Altar eine Trauung stattfindet.

Müssen wir vor anderen über unsere Beziehung sprechen?

Diese Sorge dürfte bei manchen Paaren ziemlich weit oben auf der Liste stehen.

Schließlich möchte nicht jeder seine Beziehung vor einer Gruppe fremder Menschen analysieren – und genau darum sollte es bei einem Eheseminar auch nicht gehen.

Persönliche Gespräche und Übungen finden häufig bewusst zwischen euch beiden statt. Ihr sollt miteinander ins Gespräch kommen und nicht eure Beziehung vor anderen Paaren rechtfertigen oder intime Details erzählen.

Natürlich gibt es je nach Seminar auch gemeinsame Gesprächsrunden und Möglichkeiten zum Austausch. Wie persönlich ihr dabei werden möchtet, entscheidet ihr aber grundsätzlich selbst.

Ihr müsst dort auch niemandem beweisen, dass eure Beziehung „gut genug“ für eine Ehe ist.

Das Eheseminar soll euch begleiten und zum Nachdenken anregen – nicht eure Beziehung bewerten.

Welche Themen werden besprochen?

Die konkrete Gestaltung hängt vom jeweiligen Anbieter und Seminar ab. Trotzdem gibt es einige Themenbereiche, die euch immer wieder begegnen können.

Dazu gehören beispielsweise Partnerschaft und Kommunikation. Wie sprechen wir miteinander? Wie gehen wir mit unterschiedlichen Bedürfnissen um? Wie lösen wir Konflikte?

Ein weiteres Thema kann die gemeinsame Lebensplanung sein. Dabei können Fragen rund um Familie, Kinder, Beruf, Rollenverteilung oder gemeinsame Ziele zur Sprache kommen.

Auch Nähe, Sexualität und der Umgang miteinander können Teil der Ehevorbereitung sein.

Daneben geht es natürlich um den christlichen beziehungsweise katholischen Blick auf die Ehe. Was bedeutet es, kirchlich zu heiraten? Warum versteht die katholische Kirche die Ehe als Sakrament? Was versprecht ihr euch während der Trauung eigentlich?

Je nach Seminar können außerdem praktische Aspekte der kirchlichen Trauung aufgegriffen werden.

Das Ziel ist dabei nicht, euch fertige Antworten vorzugeben. Vielmehr sollt ihr Gelegenheit bekommen, über Themen zu sprechen, die im Alltag oder mitten in der Hochzeitsplanung vielleicht zu kurz kommen.

Wie lange dauert ein Eheseminar?

Darauf gibt es keine einheitliche Antwort.

In Österreich werden unterschiedliche Modelle angeboten. Klassische Ehevorbereitungsseminare finden beispielsweise als Tagesseminar statt. Daneben gibt es Angebote, die auf mehrere Abende verteilt sind, Wochenendseminare oder Online-Varianten.

Gerade Online-Seminare können interessant sein, wenn ihr beruflich stark eingespannt seid, weiter voneinander entfernt wohnt oder sich ein gemeinsamer Termin vor Ort nur schwer organisieren lässt.

Welche Form für euch infrage kommt und für eure Ehevorbereitung anerkannt wird, solltet ihr vor der Anmeldung mit der zuständigen kirchlichen Stelle beziehungsweise eurer Pfarre abklären.

Eine Braut in einem weißen Spitzenkleid, die einen Strauß rosa Rosen in den Händen hält, lächelt fröhlich neben einem Mann in Anzug und Fliege. Beide wirken glücklich, während sie in einem warm beleuchteten Raum stehen und sich vielleicht an schöne Momente aus ihrem Eheseminar erinnern, während sie ihren besonderen Tag feiern.

Kann man das Eheseminar auch online machen?

Mittlerweile gibt es in Österreich tatsächlich auch Online-Eheseminare.

Je nach Anbieter finden diese beispielsweise an einem Tag oder verteilt auf mehrere Termine per Videokonferenz statt. Daneben existieren teilweise flexible Formate, bei denen sich Paare mithilfe von Impulsen zeitlich unabhängiger mit den Themen beschäftigen können.

Das kann besonders praktisch sein, wenn ihr nicht am selben Ort lebt, unregelmäßige Arbeitszeiten habt oder die Hochzeitsvorbereitung ohnehin schon einen ziemlich vollen Terminkalender verursacht.

Trotzdem solltet ihr nicht einfach irgendeinen Onlinekurs buchen. Klärt vorher, ob das gewählte Angebot für eure kirchliche Ehevorbereitung anerkannt wird.

Was kostet ein Eheseminar in Österreich?

Auch die Kosten sind nicht österreichweit einheitlich geregelt und hängen vom jeweiligen Veranstalter und Format ab.

Als Orientierung: Bei aktuellen Angeboten der Erzdiözese Wien gibt es beispielsweise Tages- und Online-Eheseminare um 70 Euro pro Paar. Andere Tagesseminare kosten beispielsweise 120 Euro pro Paar inklusive Mittagessen. Daneben gibt es weitere Anbieter mit eigenen Preisen und unterschiedlichen Formaten.

Informiert euch daher direkt beim jeweiligen Veranstalter darüber, welche Kosten anfallen und ob beispielsweise Verpflegung im Seminarpreis enthalten ist.

Wichtiger als der Preis sollte allerdings zunächst die Frage sein, welches Seminar für euch organisatorisch und inhaltlich gut passt.

Wann sollten wir uns für ein Eheseminar anmelden?

Das Eheseminar solltet ihr nicht erst wenige Wochen vor eurer Hochzeit auf die To-do-Liste setzen.

Gerade beliebte Termine können ausgebucht sein. Außerdem habt ihr während der letzten Wochen vor der Hochzeit vermutlich ohnehin genügend andere Dinge zu erledigen.

Kümmert euch deshalb möglichst früh um die kirchliche Ehevorbereitung und fragt bei eurer Pfarre nach, welche Schritte notwendig sind.

So könnt ihr euch anschließend in Ruhe einen passenden Termin aussuchen und müsst das Seminar nicht irgendwo zwischen finaler Sitzordnung, Menübesprechung und letzter Anprobe unterbringen.

Ein weiterer Vorteil: Wenn zwischen Eheseminar und Hochzeit noch etwas Zeit liegt, könnt ihr die Gespräche und Gedanken daraus vielleicht tatsächlich noch ein wenig wirken lassen.

Nahaufnahme eines Bräutigams, der der Braut während der Trauung behutsam einen Ring an den Finger steckt – ein inniger Moment, der oft in einem Eheseminar thematisiert wird. Die Braut trägt ein weißes Spitzenkleid, der Bräutigam einen dunklen Anzug. Im Hintergrund ist Grün zu sehen.

Und wenn wir schon seit vielen Jahren zusammen sind?

Vielleicht seid ihr seit zehn Jahren ein Paar, lebt längst zusammen, habt gemeinsame Kinder und kennt euch gefühlt in- und auswendig.

Dann könnte die erste Reaktion auf ein Ehevorbereitungsseminar verständlicherweise lauten: Was soll man uns über eine Beziehung noch erzählen?

Aber genau darin liegt ein kleines Missverständnis.

Es geht nicht darum, euch beizubringen, wie eure Beziehung funktionieren muss.

Das Seminar kann vielmehr ein Anlass sein, einmal Gespräche zu führen, für die im Alltag wenig Platz bleibt. Selbst Paare, die schon lange zusammenleben, beschäftigen sich nicht jeden Sonntagabend bei einem Glas Wein mit Fragen wie: Was wünschen wir uns eigentlich für die nächsten zehn oder zwanzig Jahre? Was bedeutet Ehe für uns? Was soll sich durch unsere Hochzeit verändern – und was soll unbedingt genauso bleiben?

Vielleicht lautet eure Antwort auf manche Fragen schlicht: Darüber haben wir längst gesprochen.

Bei anderen stellt ihr möglicherweise fest: Interessant, darüber haben wir tatsächlich noch nie so genau nachgedacht.

Beides ist vollkommen in Ordnung.

Ist das Eheseminar nur ein Pflichttermin?

Es hängt wahrscheinlich ein wenig davon ab, mit welcher Einstellung ihr hingeht.

Natürlich kann man das Eheseminar als einen weiteren Punkt auf der langen Checkliste für die kirchliche Hochzeit betrachten: Seminar besuchen, Bestätigung bekommen, erledigt.

Ihr könnt es aber auch anders sehen.

Während der Hochzeitsplanung beschäftigt ihr euch monatelang damit, wie ihr heiraten möchtet. Ihr entscheidet über Location, Dekoration, Musik, Essen, Blumen, Fotos und vielleicht über hundert weitere Details.

Das Eheseminar stellt für ein paar Stunden eine andere Frage:

Wie möchtet ihr eigentlich verheiratet sein?

Und diese Frage ist vermutlich langfristig wichtiger als die Entscheidung, welche Blumen auf euren Hochzeitstischen stehen.

Eine Braut in einem weißen Kleid und mit Schleier steht während einer Trauung neben einem Bräutigam im Anzug, blickt auf einen Priester in der Kirche und ist bereit, nach Abschluss ihres Eheseminars das Eheversprechen zu geben.

Unser Tipp: Macht euren eigenen Paar-Tag daraus

Wenn ihr ohnehin einen Tag für das Eheseminar reserviert, könnt ihr daraus gleich bewusst einen gemeinsamen Tag machen.

Plant danach beispielsweise ein Abendessen ein, geht noch etwas trinken oder macht einen Spaziergang. Vielleicht gab es während des Seminars ein Thema, über das ihr gerne weiterreden möchtet.

Versucht außerdem, das Eheseminar nicht als lästige organisatorische Aufgabe zwischen zwei Hochzeitsterminen einzuplanen.

Eure Hochzeitsvorbereitung besteht aus unglaublich vielen Entscheidungen und Terminen. Ein Tag, an dem es ausnahmsweise nicht um Serviettenfarben, Tischpläne oder die Auswahl der Hochzeitstorte geht, kann dabei sogar ziemlich angenehm sein.

Fazit: Ein Tag für eure Hochzeit – oder vielmehr für eure Ehe

Ein Eheseminar gehört für viele Paare, die sich für eine katholische Trauung entscheiden, zunächst zu jenen Punkten der Hochzeitsplanung, unter denen sie sich wenig vorstellen können.

Dabei ist die Idee dahinter eigentlich ziemlich einfach.

Ihr nehmt euch bewusst Zeit füreinander.

Nicht für die Organisation eurer Hochzeit. Nicht für eure Gäste. Nicht für die Location. Nicht für die Dekoration.

Sondern für die Frage, warum ihr euch überhaupt dazu entschieden habt, gemeinsam durchs Leben zu gehen.

Und vielleicht ist genau das zwischen all den großen und kleinen Entscheidungen rund um eure Hochzeit gar keine schlechte Erinnerung daran, worum es an diesem Tag letztendlich wirklich geht.


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Christoph

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